Solarstrategie für eine Energiewende in Bürgerhand

Wäh­rend sich durch ver­schärf­te Kli­ma­zie­le der Druck auf Poli­tik und Indus­trie erhöht, wer­den erneu­er­ba­re Ener­gien immer preis­wer­ter. Die nöti­gen Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen und die Ener­gie­wen­de so schnell wie mög­lich umset­zen, dies ist für Nor­bert Knopf, Land­tags­kan­di­dat der Grü­nen im Wahl­kreis Wies­loch, das Gebot der Stun­de. Bei einer digi­ta­len Ver­an­stal­tung stell­te er den Mann­hei­mer Diplom-Volks­wirt Dani­el Ban­n­asch vor, der 2006 mit Ener­gie-Akteu­ren aus dem Rhein-Neckar-Raum einen Dach­ver­band für erneu­er­ba­re Ener­gien grün­de­te, den Ver­ein ‚Metro­pol­So­lar Rhein-Neckar‘.

Dani­el Ban­n­asch prä­sen­tiert die Solar­stra­te­gie — den Bier­de­ckel hat er auch mitgebracht

„Es ist inter­es­sant Jeman­den zu haben, der eine, manch­mal radi­kal anmu­ten­de, aber sehr fun­dier­te Vor­stel­lung davon hat, wie man das Ener­gie­sys­tem auf 100 Pro­zent rege­ne­ra­ti­ve Ener­gien umstel­len kann, und das in einer Geschwin­dig­keit, wie es vie­le ande­re ver­mis­sen las­sen“, sag­te Knopf und schick­te hin­ter­her: „Und vor allem – das ist der zwei­te Aspekt – eine Ener­gie­wen­de, die nicht von Kon­zer­nen getra­gen wird, son­dern von der Bevölkerung.“

Gin­ge es nach Dani­el Ban­n­asch, müss­te das The­ma lan­ge nicht so kom­pli­ziert sein, wie es oft gemacht wird. Mit sei­nem Vor­trag „Ener­gie­wen­de auf dem Bier­de­ckel“ ist der Mann­hei­mer Diplom-Volks­wirt seit Jah­ren auch bun­des­weit unter­wegs und for­dert für alle ein „Recht auf Son­ne“. Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen über­setzt hat er das Buch „Sau­be­re Revo­lu­ti­on 2030“ von Tony Seba. Die­ses sieht das Ener­gie- und Ver­kehrs­sys­tem an der Schwel­le zur Dis­rup­ti­on. Trei­ber der Ent­wick­lung sei­en expo­nen­ti­ell fal­len­de Kos­ten bei Solar­an­la­gen, Wind­rä­dern, Spei­chern, Elek­tro-Autos, Sen­so­ren und Mas­sen­da­ten. Ban­n­asch kennt die ein­schlä­gi­gen Stu­di­en und Zah­len. In sei­ner im Febru­ar ver­öf­fent­lich­ten Solar­stra­te­gie skiz­ziert er den Weg zu 100 Pro­zent Erneu­er­ba­ren Ener­gien bis 2030.

Das Buch hat Dani­el Ban­n­asch über­setzt — es kann über Metro­pol­So­lar bezo­gen werden.

Nor­bert Knopf begrüß­te auch Lau­ra Zöck­ler, Mit­glied im drei­köp­fi­gen Vor­stand der Hei­del­ber­ger Ener­gie­ge­nos­sen­schaft. Die Ener­gie­ver­sor­gung selbst in die Hand neh­men und demo­kra­ti­sie­ren – das ist für sie der Antrieb, sich ehren­amt­lich in der Genos­sen­schaft zu enga­gie­ren. Zöck­ler stell­te ver­schie­de­ne Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten vor und ver­wies auf die posi­ti­ve Ent­wick­lung der Genos­sen­schaft, die aus einem stu­den­ti­schen Pro­jekt her­vor­ge­gan­gen ist. In die­sem Jahr konn­te die Genos­sen­schaft die instal­lier­te Solar­leis­tung gegen­über dem Vor­jahr auf rund 3160 kWp mehr als ver­dop­peln. Die Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin enga­giert sich auch bei den ‚Bür­ger­wer­ken‘, ein Ver­bund von der­zeit 97 Ener­gie­ge­nos­sen­schaf­ten aus ganz Deutsch­land, zu denen in der Regi­on neben der Hei­del­ber­ger Ener­gie­ge­nos­sen­schaft auch die Bür­ger­en­er­gie­ge­nos­sen­schaf­ten Lei­men und Kraich­gau (Sins­heim) gehö­ren. Ein Bür­ger­strom­pro­jekt wird gera­de in Sand­hau­sen ange­gan­gen. Man muss also nicht Haus­be­sit­zer sein, um an der regio­na­len Ener­gie­wen­de teilzuhaben.

Für Dani­el Ban­n­asch ist die Son­ne ein uner­schöpf­li­ches Ener­gie­re­ser­voir, das der­zeit noch über­wie­gend über kom­pli­zier­te, teu­re und kli­ma­schäd­li­che Umwe­ge, wie die fos­si­len Ener­gien, genutzt wird. „Die Son­ne, mein Modul und ich“, brach­te er die ein­fa­che For­mel auf den Punkt. Die nöti­gen Flä­chen sei­en vor­han­den, rech­ne­te er vor und erteil­te der ver­brei­te­ten Aus­sa­ge, Deutsch­land kön­ne sich nicht erneu­er­bar selbst ver­sor­gen, eine kla­re Absa­ge. Aus­bau­po­ten­zi­al sieht er auf zahl­lo­sen Gebäu­den, Park­plät­zen (Solar­über­da­chung, die das neue Kli­ma­schutz­ge­setz in Baden-Würt­tem­berg vor­sieht) sowie auf Flä­chen an Auto­bah­nen, aber auch — zum Bei­spiel als weit effi­zi­en­te­re Alter­na­ti­ve zu Ener­gie­pflan­zen — auf Agrar­flä­chen. Dort lie­ße sich sogar dop­pelt ern­ten. In Baden-Würt­tem­berg wur­den senk­recht ste­hen­de Solar­mo­du­le ent­wi­ckelt, zwi­schen denen Land­wirt­schaft betrie­ben wer­den kann. „Die Zeit läuft uns davon, wir müs­sen auf Din­ge set­zen, die viral gehen kön­nen“, so Bannasch.

 

Als wich­ti­ges The­ma sieht er den Schwan­kungs­aus­gleich. Elek­tro­au­tos mit ihren leis­tungs­fä­hi­gen Bat­te­rie­spei­chern lie­ßen sich durch bidi­rek­tio­na­les Laden noch bes­ser als Spei­cher nut­zen. „Das könn­ten wir nut­zen, wenn die Poli­tik es zulas­sen wür­de“, so Ban­n­asch. Beson­ders wich­tig sei, fos­si­le Hei­zun­gen durch mit erneu­er­ba­rem Strom ange­trie­be­ne Wär­me­pum­pen zu ersetzen.Als eine gute Ergän­zung zum schwan­ken­den Son­nen­strom bezeich­ne­te er die Wind­kraft, die ent­spre­chend aus­ge­baut wer­den sollte.

Wir könn­ten schon seit ein paar Jah­ren Wind­strom erzeu­gen, sag­te Jens Thom­son, der mit der Bür­ger­initia­ti­ve Wind­ener­gie für Eber­bach gegen alle Wider­stän­de für einen Bür­ger­wind­park auf dem Her­bert kämpft. „Aber es geht vor­an, ich wird’s noch erleben.“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.