Stellungnahme zur Forsteinrichtungserneuerung 2020–2029 und zum Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2021

Sehr geehr­te Damen und Herren,

wenn wir in den Wald gehen, sehen wir, dass der Kli­ma­wan­del auch bei uns ange­kom­men ist. Unse­re Bäu­me, allen vor­an die Kie­fern, hal­ten dem Tro­cken­stress nicht mehr stand und ster­ben ab. Die­se Ten­denz wird noch zuneh­men. Die Mei­nun­gen, wie man damit umzu­ge­hen soll, gehen, je nach forst­li­cher Exper­ti­se, weit aus­ein­an­der. Aber untä­tig blei­ben kön­nen wir nicht.

Wie schon in die­sem Jahr, wer­den wir auch im nächs­ten Jahr für unse­ren Wald Geld aus­ge­ben müs­sen. Ver­an­schlagt sind für 2021 min­des­tens 16 000 Euro für Pfle­ge, Wege­si­che­rung, Fäll­ar­bei­ten sowie noch­mal 72 000 für Kul­tu­ren. Sand­hau­sen setzt hier­bei auf die Ent­wick­lung eines Misch­wal­des mit mög­lichst hohem Anteil an hei­mi­schen Arten.

Dass im Gemein­de­wald rund 5000 Bäu­me gepflanzt wer­den sol­len, freut uns, denn so vie­le Bäu­me feh­len bereits, oder müs­sen noch gefällt werden.

Der Erhalt bzw. die Wie­der­auf­fors­tung des Wal­des ist uns ein drin­gen­des Anlie­gen, des­halb stim­men wir der Forstein­rich­tungs­er­neue­rung und dem Betriebs­plan für das Forst­wirt­schafts­jahr 2021 zu.

Gemein­de­rä­tin Bea­te Wür­zer sorgt sich um den hei­mi­schen Wald.

Wir geben aber Fol­gen­des zu Bedenken:

- Gut die Hälf­te unse­res klei­nen Gemein­de­wal­des steht auf Dünen­sand. Durch den dra­ma­ti­schen Rück­gang der Kie­fer, soll­ten wir das Ziel „Her­stel­lung eines lich­ten Kie­fern­wal­des“ auf­ge­ben. In die­sen Gebie­ten soll­ten wir eher auf die offen­bar ent­wick­lungs­fä­hi­ge „Natur­ver­jün­gung” set­zen und ggf. Säm­lin­ge aus­brin­gen. Hier soll­ten wir beob­ach­ten was kommt und allen­falls rich­tungs­ge­bend pfle­gend eingreifen.

- Der Plan sieht vor, dass wei­te­re Kul­tu­ren ange­legt wer­den sol­len. Auf den „guten Böden“ haben Kul­tu­ren zwar bes­se­re Chan­cen. Es muss aber über Jah­re ein gro­ßer Auf­wand betrie­ben wer­den, wenn man hier auf Dau­er Erfolg haben will.

Der Wald ist mehr als Sum­me sei­ner Bäu­me. Das Öko­sys­tem Wald hat gro­ße Bedeu­tung für Natur, d.h. Tier- und Pflan­zen­ar­ten sowie deren Lebens­räu­me – und Umwelt, das heißt, für Kli­ma, Was­ser und Boden. In den Wäl­dern fin­det sich ein gro­ßer Teil der bio­lo­gi­schen Viel­falt. Je intak­ter das Sys­tem, des­to bes­ser funk­tio­niert der Bestandsschutz.

Wir tei­len die Auf­fas­sung, dass ein gesun­der Misch­wald ein erstre­bens­wer­tes Ziel ist. Bei der Umset­zung des Pla­nes wün­schen wir ein scho­nen­des und rück­sichts­vol­les Vor­ge­hen. Von Total­ro­dun­gen zur Neu­an­la­ge von Kul­tu­ren, von Ein­sät­zen mit schwe­rem Gerät, vom Fäl­len gesun­der, z.T. sehr alter Bäu­me, soll­te jedoch Abstand genom­men wer­den. Ein­zel­stamm­ent­nah­men scheint uns hier ein gang­ba­rer Weg.

- Aus aktu­el­lem Anlass stellt sich uns die Fra­ge, wie gehen wir grund­sätz­lich mit Neo­phy­ten um? Sol­len wir sie, als Fol­ge der Glo­ba­li­sie­rung und des Kli­ma­wan­dels akzep­tie­ren? Wir sind der Mei­nung, wir soll­ten beson­ders inva­si­ve Arten, wie z.B. die Ker­mes­bee­re, zuguns­ten hei­mi­scher Arten zurück­drän­gen. Wie beim jähr­li­chen Dünen­putz könn­te bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment hier posi­tiv genutzt wer­den. Logis­tik, fach­li­che Ein­wei­sung der Ehren­amt­ler und die Beglei­tung der Maß­nah­me läge beim Forst. Wir regen des­halb noch­mals an, eine der­ar­ti­ge Akti­on, ggf. auch revier­über­grei­fend für das nächs­te Früh­jahr zu planen.

- Der Wald rückt immer mehr in den Fokus der Auf­merk­sam­keit. Wir soll­ten daher beschlie­ßen, dass der Gemein­de­rat über forst­li­che Maß­nah­men vor­ab infor­miert wird. Wenn mög­lich soll­ten zwei­mal pro Jahr für alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger forst­li­che Wald­be­ge­hun­gen ange­bo­ten werden.

Fra­gen zur neu­en Forstorganisation:

Kom­mu­na­ler und pri­va­ter Wald sind jetzt getrennt vom Staats­wald Forst BW

1. Wer betreut den Forst­be­zirk Sandhausen?

2. Wie vie­le Gemein­den gehö­ren zu ihrem Revier?

3. Wie groß ist die zu bewirt­schaf­ten­de Fläche?

4. Sand­hau­sen hat kei­ne eige­nen Wald­ar­bei­ter. Wer schafft in unse­rem Wald?

5. Wenn Unter­neh­men beauf­tragt wer­den: Wie über­wa­chen Sie die Qua­li­tät der lau­fen­den Arbei­ten im Gemeindewaldgebiet?

6. Es gibt seit Mit­te 2020 För­der­gel­der für nach­hal­ti­ge Wald­wirt­schaft. Hier­bei wird die Umset­zung des Lan­des­wald­ge­set­zes finan­zi­ell unter­stützt. Es geht, kurz gesagt, um den Schutz der Bio­di­ver­si­tät und den Erhalt von Lebens­räu­men. Nut­zen wir die­se För­de­run­gen bereits?

Bea­te Würzer

Gemein­de­rä­tin der Grün-Alter­na­ti­ven Lis­te Sandhausen

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