Erste Sandhäuser Fahrraddemo — Gemeinde lehnte Teilnahme am Stadtradeln ab

GAL-Spre­cher Alex­an­der Gut­wein macht die Ansage.

„Ich will kurz zusam­men­fas­sen, was wir geschafft haben“, sag­te Alex­an­der Gut­wein, Vor­sit­zen­der der Grün-Alter­na­ti­ven Lis­te (GAL) am Sams­tag­mit­tag und sprach damit für das offe­ne Team ‚Sand­hau­sen radelt fürs Kli­ma‘, das inzwi­schen 90 Mit­glie­der zähl­te. „Stand heu­te mor­gen haben wir in den zurück­lie­gen­den drei Wochen 15 175 Kilo­me­ter zurück­ge­legt“, stell­te er fest. Was Gut­wein nicht ver­riet: Mit die­sem Wert lagen die Sand­häu­ser an der Spit­ze der 789 teil­neh­men­den Teams des Stadt­ra­delns im Rhein-Neckar-Kreis. Wohl auch, weil sie nach der ableh­nen­den Hal­tung ihrer Gemein­de ihr Team direkt beim Rhein-Neckar-Kreis anmel­de­ten und seit­dem als ‚Fahr­radre­bel­len‘ gelten.

Land­tags­kan­di­dat Nor­bert Knopf tritt in Sand­hau­sen in die Pedale.

Und es kam an die­sem Mit­tag noch eini­ges an Kilo­me­tern oben drauf, denn gut 40 Teil­neh­men­de waren dem Auf­ruf der GAL zur Fahr­rad­de­mo gefolgt. Auf 17 Kilo­me­tern ging es vom Park­platz beim Wal­ter-Rein­hard-Sta­di­on aus kreuz und quer durch die Gemein­de, durch die enge Haupt­stra­ße und sogar ein Stück über die Umge­hungs­stra­ße L 598. Auch Grü­nen-Land­tags­kan­di­dat und Fahr­rad­pend­ler Nor­bert Knopf trat in Sand­hau­sen in die Peda­le. Bei der Abschluss­kund­ge­bung vor der Fest­hal­le gab es für alle einen Rad­auf­kle­ber und eine klei­ne Stärkung.

Um den Kli­ma­ef­fekt anschau­lich zu machen setz­te Gut­wein die Kilo­me­ter­zahl in Rela­ti­on mit 1000 Litern Ben­zin und 2240 Kilo­gramm CO2, die ein­ge­spart wor­den sei­en. Mit dem Team ‚FEG Sand­hau­sen‘ gebe es in Sand­hau­sen auch eine wei­te­re Grup­pe um die Umwelt­ment­o­ren Phil­ip und Lea, die für das Gym­na­si­um beacht­li­che 1800 Kilo­me­ter gera­delt sei. Die Akti­on mache auf das Fahr­rad, und spe­zi­ell auf das Fahr­rad­fah­ren im All­tag, auf­merk­sam und sei ein Anstoß, für eine bes­se­re Infra­struk­tur im Ort zu sor­gen. „Ich hof­fe, dass wir im nächs­ten Jahr viel­leicht auch mit Unter­stüt­zung des Bür­ger­meis­ters — oder der Bür­ger­meis­te­rin — hier in Sand­hau­sen als gan­ze Kom­mu­ne teil­neh­men kön­nen“, so Gutwein.

Über die rege Betei­li­gung freu­te sich Mit­or­ga­ni­sa­tor Gün­ter Her­kert vom Rad­ler­club Bade­nia ganz beson­ders. „Das war weit mehr als wir erwar­tet hat­ten“, sag­te er. Schon vor ein­ein­halb Jah­ren habe er wegen einer Betei­li­gung am Stadt­ra­deln alle Gemein­de­rä­tin­nen und Gemein­de­rä­te ange­schrie­ben und etli­che ange­spro­chen. Umso mehr freu­te er sich, als die GAL mit Gemein­de­rä­tin Bea­te Wür­zer und Gemein­de­rat Lukas Öfe­le im Früh­jahr auf ihn zukam. „Uns wur­de gesagt, was das für eine Men­ge Geld kos­tet“, erzähl­te Her­kert und schick­te hin­ter­her. „Offen und ehr­lich“ gehe er davon aus, dass es nichts kos­tet, sofern sich die Gemein­de über den Rhein-Neckar-Kreis betei­ligt. Auch der Auf­wand wäre in dem Fall über­schau­bar gewe­sen. So aber hat­ten die Ehren­amt­li­chen doch zu tun. Her­kert woll­te die Fly­er besor­gen, die vom Land­rats­amt für die teil­neh­men­den Kom­mu­nen zur Ver­fü­gung gestellt wur­den. Als er die nicht bekam, besorg­te er sich einen in einer Nach­bar­ge­mein­de – „die sind ja alle betei­ligt“ – scann­te ihn und schick­te ihn an Gemein­de­rat Öfe­le, der ihn im Urlaub für das Team umge­stal­te­te und die dafür nöti­ge Erlaub­nis vom Kli­ma­bünd­nis ein­hol­te. Die Druck­kos­ten habe freund­li­cher­wei­se die GAL über­nom­men. Die sechs tou­ris­ti­schen Tou­ren in die Umge­bung, die Her­kert wäh­rend der Akti­on anbot, zähl­te er nicht als Arbeit, die hät­ten ihm Spaß gemacht. Hier­zu stell­te er fest: „Wir haben schö­ne Wege für die Rent­ner, die in der Gegend her­um­fah­ren, aber wir haben kei­ne Wege für die Leu­te, die ins Geschäft müs­sen. Daher brau­chen wir auch Radschnellwege.“

Micha­el Fröh­lich vom ADFC Rhein-Neckar­/Hei­del­berg hat Info­ma­te­ri­al mitgebracht.

„Das ist die ers­te Sand­häu­ser Fahr­rad­de­mo, herz­li­chen Glück­wunsch!“, bemerk­te Micha­el Fröh­lich vom ADFC Rhein-Neckar­/Hei­del­berg, der mit sei­nem Las­ten­rad voll Info­ma­te­ri­al mit­fuhr. Unver­ständ­nis äußer­te er dar­über, dass die Poli­zei die ange­mel­de­te Demo nicht abge­si­chert hat­te. Er hät­te dies, auch ange­sichts der ange­mel­de­ten Stre­cke, für not­wen­dig gehal­ten. Ähn­lich äußer­ten sich hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand die Orga­ni­sa­to­ren, die sich mit der Ver­ant­wor­tung allein gelas­sen fühl­ten. Doch die Ord­ner der GAL, dar­un­ter Vor­stand Gut­wein, sicher­ten gewis­sen­haft alle Kreu­zun­gen und gaben acht, dass die Grup­pe zusammenblieb.

Fröh­lich warb für die Akti­on ‚Kli­ma­test‘, ein Online-Fra­ge­bo­gen mit dem Bewoh­ner ihren Ort aus der Zwei­rad-Per­spek­ti­ve bewer­ten kön­nen. „Je mehr Gemein­den mit­ma­chen, des­to bes­ser kön­nen wir argu­men­tie­ren. Wenn dann die Gemein­de­ver­wal­tung sagt, Rad­fah­ren ist bei uns nicht das gro­ße The­ma, dann kann man dem ent­ge­gen­hal­ten: Wenn sich die Infra­struk­tur nicht ändert, kann es auch kein The­ma wer­den.“ Und er schick­te hinterher:

„Rad­fah­rer sind ähn­lich – jetzt krie­ge ich gleich eine Ohr­fei­ge – wie Auto­fah­rer. Die wol­len es bequem, kom­for­ta­bel und vor allem sicher und sie wol­len mög­lichst kur­ze Stre­cken haben. Wenn das auch für die Rad­fah­rer erreicht wird, dann wer­den viel mehr auf das Rad umsteigen.“

 

 

 

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