Ausgleichsmaßnahmen für Sportzentrum seit 2008 verschleppt

AUS DEM GEMEINDERAT

 

Sehr geehr­te Damen und Herren,

wenn man im Inter­net das Hardt­wald­sta­di­on googelt erfährt man, dass es in 2008, 2012, 2013, 2014, 2016 immer wie­der Bau­maß­nah­men gege­ben hat. So z.B. Erwei­te­run­gen der Zuschau­er­plät­ze im Sta­di­on durch Tri­bü­nen, Neben­ge­bäu­de, ‚Busi­ness Turm‘, sowie wei­te­re Spielflächen.

Gemein­de­rä­tin Bea­te Wür­zer ver­langt mehr Auf­merk­sam­keit für die Belan­ge von Umwelt und Naturschutz

Im April 2008 beschloss hier­zu der Gemein­de­rat die Ein­lei­tung des Bau­ver­fah­rens „Stell­plät­ze Sand­häu­ser Höfe“ und „Sport- und Erho­lungs­ge­biet II. Ände­rung“. Dabei geht es um eine Sta­di­oner­wei­te­rung. In der Fol­ge wur­den die Stel­lung­nah­men der Trä­ger Öffent­li­cher Belan­ge ein­ge­holt und die Fa. Merz (Büro- für Öko­lo­gie und Umwelt­pla­nung aus Hei­del­berg) beauf­tragt, einen Umwelt­be­richt, auch und gera­de im Hin­blick auf zu erbrin­gen­de Aus­gleichs­maß­nah­men, zu erstellen.

So wie es sich heu­te dar­stellt, blieb es 12 Jah­re bei der Absichts­er­klä­rung. Erst im Zuge der Dis­kus­sio­nen in 2019 um die neu­er­li­che Erwei­te­rung SV Spiel­flä­chen sowie Park­plät­ze bzw. die Pla­nung Umwand­lung von Schutz­wald in Sport und Frei­zeit, wur­de das The­ma offen­bar erneut aktua­li­siert. Hier hat­ten näm­lich auf­merk­sa­me Bür­ger (nicht der Gemein­de­rat) nach­ge­fragt, wo denn die damals ver­spro­che­nen Obst­bäu­me nun stän­den. Erst dann wur­de bekannt, dass die Flä­chen, obwohl fest­ge­legt und beschlos­sen, ein­fach ander­wei­ti­gen Nut­zun­gen zuge­führt wor­den waren.

Wenn es ums Bau­en geht, ja dann ist die Ver­wal­tung jeder­zeit aktiv und bemüht, lei­der besteht offen­bar ein gerüt­telt Maß an Ver­drän­gung wenn es um die Aus­gleichs­flä­chen geht. Es gab wohl in den Jah­ren Zitat Bür­ger­meis­ter: „Immer wich­ti­ge­re, dring­li­che­re Pro­jek­te“. Mög­li­cher­wei­se hat man sich auch auf den vie­len Öko­punk­ten aus­ge­ruht. Dies­mal hat das Kom­pen­sa­ti­ons­de­fi­zit kei­ne 30 Jah­re wie bei der L 600 gedau­ert, son­dern nur zwölf, was sicher­lich nicht als Fort­schritt zu bewer­ten ist.

Ganz ehr­lich, mei­ne Damen und Her­ren, was müs­sen wir dar­aus schlie­ßen? Ich per­sön­lich schlie­ße dar­aus, dass unse­re Ver­wal­tung es bis heu­te noch nicht geschafft hat, dem Auf­ga­ben­be­reich Natur/­Kli­ma- und Umwelt genü­gend Auf­merk­sam­keit zukom­men zu las­sen (aus­ge­nom­men z.B. die Sanie­rung der gemein­de­ei­ge­nen Gebäu­de). Es gibt ande­re Beob­ach­tun­gen glei­cher Art, wel­che die­se Ver­mu­tung stüt­zen, z.B. die bis­he­ri­ge Ableh­nung von Per­so­nal für die Ent­wick­lung eines auf Sand­hau­sen zuge­schnit­te­nen Kli­ma- und Umwelt­kon­zepts (man mache das ja alles ganz gut selbst) , bei gleich­zei­ti­ger Äuße­rung per­so­nel­ler Über­for­de­rung (Wer soll denn das wie­der machen? Dafür habe man kei­ne per­so­nel­le Kapazität).

In Anbe­tracht der Tat­sa­che, dass man die in 2008 geplan­ten Maß­nah­men heu­te kaum noch durch­füh­ren kann und drin­gen­der Hand­lungs­be­darf in der Ange­le­gen­heit besteht, wur­de kürz­lich das Büro Spang, Fischer, Natsch­ka beauf­tragt, alter­na­ti­ve Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men zu fin­den. Hier fällt auf, dass mehr­fach auf Acker­flä­chen oder bereits bestehen­de Gär­ten zurück­ge­grif­fen wird. Hier­zu zitie­re ich aus dem Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz §15 (3): Bei der Inan­spruch­nah­me von land- oder forst­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen für Aus­gleichs- und Ersatz­maß­nah­men ist auf agrar­struk­tu­rel­le Belan­ge Rück­sicht zu neh­men, ins­be­son­de­re sind für die land­wirt­schaft­li­che Nut­zung geeig­ne­te Böden nur im not­wen­di­gen Umfang in Anspruch zu neh­men. Es ist vor­ran­gig zu prü­fen, ob der Aus­gleich oder Ersatz auch durch Maß­nah­men zur Ent­sie­ge­lung, durch Maß­nah­men zur Wie­der­ver­net­zung von Lebens­räu­men oder durch Bewirt­schaf­tungs- oder Pfle­ge­maß­nah­men, die der dau­er­haf­ten Auf­wer­tung des Natur­haus­halts oder des Land­schafts­bil­des die­nen, erbracht wer­den kann, um mög­lichst zu ver­mei­den, dass Flä­chen aus der Nut­zung genom­men werden.

Beim nun vor­lie­gen­den Antrag geht es lei­der haupt­säch­lich um eine Umwand­lung von nicht ver­sie­gel­ten Flä­chen (Mager-Wie­se, Gar­ten­grund, Acker­flä­che) zu einer ande­ren Art Nut­zung (Fett­wie­se-Obst­baum­wie­se).

Der Natur tat­säch­lich etwas zurück­ge­ben, wenn man ihr andern­orts etwas weg­nimmt, wäre aus unse­rer Sicht der bes­se­re Weg. In Anbe­tracht des Kli­ma­wan­dels soll­te daher vor­ran­gig, ent­spre­chend des Geset­zes, auch an Ent­sie­ge­lung von Flä­chen und deren Begrü­nung, ger­ne auch inner­ört­lich, gedacht wer­den. Das käme nicht nur den Insek­ten, son­dern auch der Schaf­fung drin­gend benö­tig­ter Reten­ti­ons­flä­chen (Ver­si­cke­rungs­mög­lich­keit, Bin­dung von Was­ser im Boden, Ver­duns­tungs­käl­te) entgegen.

Der Argu­men­ta­ti­on: „Gut, dass wir den dama­li­gen Ersatz nicht erbracht haben, sonst hät­ten wir ande­re Maß­nah­men (Ver­kauf von gemein­de­ei­ge­nen Flä­chen, Erschlie­ßung von Bau­ge­bie­ten, Brühl­weg­dü­ne..) nicht durch­füh­ren kön­nen“, kann man ja ger­ne fol­gen, aber im Nach­hin­ein damit ein Ver­säum­nis zu ent­schul­di­gen, kommt bei mir nicht gut an. Die Umset­zung der dama­li­gen Maß­nah­men hät­te dann eben zu ande­ren Wei­chen­stel­lun­gen in der Ent­wick­lung Sand­hau­sens geführt und schlimms­ten­falls wäre halt auch jetzt ein Wäld­chen von 1,7 ha auf der Brühl­weg­dü­ne ste­hen­ge­blie­ben oder eine Obst­baum­wie­se mit­ten im Baugebiet.

Die Ver­schlep­pung der dama­li­gen „Kom­pen­sa­ti­on“ wur­de dann auch von der unte­ren Natur­schutz­be­hör­de Rhein-Neckar ent­spre­chend bewer­tet und „abge­straft“: Sie hält ‚Zitat: „…auf­grund des feh­len­den zeit­li­chen Bezugs zwi­schen dem Ein­griff und dem Aus­gleich einen Auf­schlag an Öko­punk­ten für erforderlich“.

Nach dem Mot­to: Lie­ber spät als nie, stim­men wir zäh­ne­knir­schend den Vor­schlä­gen der Ver­wal­tung zu. Im Wei­te­ren stellt sich hier auch die Fra­ge nach der Ver­ant­wort­lich­keit. Hät­ten wir 2008 in der Ver­wal­tung eine hier­für ein­deu­tig zustän­di­ge Per­son für Umwelt- und Kli­ma­schutz gehabt, wäre das sicher­lich so nicht pas­siert. Die GAL wird zukünf­tig sämt­li­che Pro­jek­te glei­cher Art inhalt­lich prü­fen und die Umset­zung der Kom­pen­sa­ti­on mit Argus­au­gen ver­fol­gen, sowie die Ein­rich­tung einer Stel­le Umwelt- und Kli­ma­be­auf­trag­te beantragen.

Vie­len Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Bea­te Würzer

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.