„Global denken — lokal handeln“: Umwelt- und Klimabeauftragte für Sandhausen

Bea­te Wür­zer erklärt, war­um Umwelt- und Kli­ma­schutz­be­auf­trag­te so wich­tig sind.

Der Kli­ma­wan­del ist da, das konn­ten wir im ver­gan­ge­nen Jahr auch in der Regi­on wie­der haut­nah erle­ben. Hit­ze­s­om­mer, Rhein­pe­gel auf Rekord­tief­stand, Ern­te­aus­fäl­le. Schnel­ler als erwar­tet zei­gen sich die Fol­gen der Erd­er­wär­mung und es trifft ein, was namen­haf­te Wis­sen­schaft­le­rIn­nen seit vie­len Jah­ren pro­gnos­ti­zie­ren: Der zuneh­men­de Aus­stoß von CO2 heizt unse­re Atmo­sphä­re auf. Extre­me Dür­ren, Wald­brän­de und Über­schwem­mun­gen häu­fen sich welt­weit. Es dro­hen Ver­än­de­run­gen des Kli­mas, die sich gegen­sei­tig ver­stär­ken und nicht mehr rück­gän­gig zu machen sind. Lei­der haben wir Men­schen es bis­her ver­säumt, unse­ren Umgang mit der Umwelt kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und die Chan­cen nach­hal­ti­gen Wirt­schaf­tens zu ergrei­fen. Laut Umwelt­bun­des­amt hat­te die Mensch­heit bis zum 29. Juli 2019 die Res­sour­cen bereits für das gan­ze letz­te Jahr ver­braucht. Die nun schon Jahr­zehn­te wäh­ren­de Ver­schmut­zung von Was­ser, Erde und Luft, die bil­li­gend in Kauf genom­me­ne Zer­stö­rung von Lebens­räu­men und damit zusam­men­hän­gend die kli­ma­ti­schen Ver­än­de­run­gen, füh­ren in der Pflan­zen- und Tier­welt zu einem beschleu­nig­ten Arten­ster­ben.

Bei der Eröff­nung der Kli­ma­kon­fe­renz im Dezem­ber in Madrid rich­te­te UN-Gene­ral­se­kre­tär Guter­res einen Appell an die Staa­ten: Man müs­se end­lich ernst machen damit, den Krieg gegen die Natur zu been­den. Wenn wir nicht schnell unse­ren Lebens­stil ändern, so Guter­res, gefähr­den wir das Leben an sich!

Aktu­ell war­nen Wis­sen­schaft­ler aller Welt, dass der soge­nann­te „Kipp-Punkt“ bereits erreicht sei. Lei­der hat die UN-Kli­ma­kon­fe­renz wie­der ein­mal kon­kre­te Ent­schei­dun­gen in die Zukunft ver­scho­ben.

Ende Novem­ber hat­te das Euro­päi­sche Par­la­ment den Kli­ma­not­stand aus­ge­ru­fen. Das bedeu­tet, es räumt, zumin­dest als Wil­lens­er­klä­rung, dem Umwelt- und Kli­ma­aspekt bei zukünf­ti­gen Beschlüs­sen höchs­te Prio­ri­tät ein.

Laut Bun­des­re­gie­rung trägt Deutsch­land, als füh­ren­de Indus­trie­na­ti­on beson­de­re Ver­ant­wor­tung für den welt­wei­ten Kli­ma­wan­del. Lei­der wur­de das 2005 selbst­ge­steck­te Ziel, bis 2020 14 Pro­zent CO2 ein­zu­spa­ren nicht erreicht. Jetzt wird’s teu­er. Die Bun­des­re­gie­rung muss u.A. des­halb von ande­ren Län­dern, wel­che die Vor­ga­ben über­erfüll­ten, Emis­si­ons­rech­te in Höhe von 300 Mil­lio­nen Euro kau­fen.

Die Kom­mu­nen sind in der Pflicht

Laut Kli­ma­schutz­pakt des kom­mu­na­len Lan­des­ver­ban­des Baden-Würt­tem­berg, kommt den Gemein­den, Städ­ten und Land­krei­sen beim Umwelt ‑und Kli­ma­schutz eine Schlüs­sel­rol­le zu. Hier wur­den für 201819 bereits 16 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung gestellt. Seit 2017 sind alle Gemein­den des Rhein-Neckar-Krei­ses, so auch Sand­hau­sen, Mit­glied. Unse­re Gemein­de­ver­wal­tung und der Gemein­de­rat haben in den letz­ten Jah­ren dem Kli­ma­schutz ver­mehrt Beach­tung gezollt. Zukünf­tig erwar­ten wir eine Inten­si­vie­rung die­ser Bemü­hun­gen.

Auf loka­ler Ebe­ne müs­sen kon­kre­te Maß­nah­men für den Umwelt‑, Natur und Kli­ma­schutz ergrif­fen wer­den. Die­se kön­nen nur wir­ken, wenn die Ver­wal­tungs­spit­ze, die gesam­te Ver­wal­tung und die Bürger*nnen selbst dies als Leit­ziel ihres Han­delns aner­ken­nen. Ver­än­de­rung fällt schwer. Daher brau­chen wir Jeman­den, der uns alle — ob als Bürger*in, Unternehmer*in, Ver­wal­tung oder demo­kra­ti­sches Gre­mi­um dabei unter­stützt, unser Han­deln kon­se­quent nach­hal­tig aus­zu­rich­ten.

Die meis­ten Städ­te und Gemein­den des Rhein-Neckar-Krei­ses haben schon Umwelt/Klimabeauftragte ein­ge­stellt. Auf Antrag wird die­se Stel­le der­zeit mit 65–90 Pro­zent der ent­ste­hen­den Kos­ten, zunächst für zwei Jah­re geför­dert. Mit der Pro­jekt­för­de­rung Jülich wer­den Kom­mu­nen auf­ge­ru­fen, inner­halb von 18 Mona­ten ein Kli­ma­schutz­kon­zept mit kon­kre­ten Zie­len zu for­mu­lie­ren und Maß­nah­men fest­zu­le­gen, wie die­se Zie­le zu errei­chen sind. Dar­über hin­aus sol­len die Beauf­trag­ten hier­zu alle rele­van­ten Auf­ga­ben koor­di­nie­ren, Betei­lig­te zusam­men­brin­gen und Pro­zes­se zur Umset­zung in Gang set­zen. Die Gemein­de­ver­wal­tung soll dadurch ent­las­tet wer­den. Wich­tig ist hier­bei auch die Betei­li­gung der Einwohner*innen, der vor Ort täti­gen Ver­bän­de, Ver­ei­ne, der ver­sor­gen­den Energie‑, Verkehr‑, Bau- und Was­ser­wirt­schaft. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass Umwelt‑, Natur- und Kli­ma­schutz auf allen Ebe­nen ordent­lich Geld kos­ten wird. Ein Blick ins Inter­net ver­rät, dass der­zeit sehr vie­le För­der­pro­jek­te von der Euro­päi­schen Uni­on, von Bund und Län­dern für Kom­mu­nen ange­bo­ten wer­den. Umwelt- und Kli­ma­be­auf­trag­te könn­ten sinn­vol­le För­der­maß­nah­men für unse­re Gemein­de nutz­bar machen und damit, über den posi­ti­ven Umwelt- Natur- und Kli­ma­aspekt hin­aus, der Gemein­de auch noch Geld spa­ren. Aus den oben genann­ten Grün­den hat die Alter­na­ti­ve Lis­te kürz­lich ange­regt, im Haus­halts­plan 2020 eine Stel­le für Umwelt- und Kli­ma­be­auf­trag­te vor­zu­se­hen. Die­ser Vor­schlag wur­de, im Vor­feld der Haus­halts­ver­ab­schie­dung 2020, von den ande­ren Frak­tio­nen im Gemein­de­rat abge­lehnt.  Aus unse­rer Sicht gibt es kei­nen ver­nünf­ti­gen Grund, der gegen die Ein­rich­tung einer sol­che Stel­le spricht. Die im Rat­haus übli­che „Drei­er­re­gel“ soll­te auch hier zur Anwen­dung kom­men, denn unser Vor­schlag ist nicht nur wün­schens­wert, son­dern, im Hin­blick auf ein zukunfts­fä­hi­ges Sand­hau­sen, auch mach­bar und not­wen­dig!

Bea­te Wür­zer

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