Lukas Öfele setzt sich im Gemeinderat für den Radverkehr ein

Lukas Öfe­le ist 27 Jah­re jung, stu­diert am Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) Elek­tro- und Infor­ma­ti­ons­tech­nik im Mas­ter (Ver­tie­fungs­rich­tung Sys­tems Engi­nee­ring) und ist im Mai als Spit­zen­kan­di­dat der Alter­na­ti­ven Lis­te in den Gemein­de­rat gewählt wor­den. Im Inter­view ver­rät er, was er für Sand­hau­sen errei­chen will.

Dass jun­ge Leu­te bereit sind, in der Kom­mu­nal­po­li­tik Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, ist nicht selbst­ver­ständ­lich. Was war für Dich der Aus­lö­ser?

Es war eine Bemer­kung unse­res Bür­ger­meis­ters Georg Klet­ti zu neu ange­leg­ten Rad­we­gen wäh­rend der Haupt­stra­ßen­sa­nie­rung: „Auch für uns ist das nicht gera­de die opti­ma­le Lösung. Aber das ist immer noch bes­ser als die letz­ten 20 Jah­re.“ (RNZ, 10.02.2015)

Das hat mich damals auf­ge­regt. Ich woll­te mit mei­nem selbst erwor­be­nen Wis­sen über die viel­fäl­ti­gen Rege­lun­gen im Rad­ver­kehr eine Ver­bes­se­rung erwir­ken und habe mich mit mei­nen Anre­gun­gen an die Alter­na­ti­ven Lis­te gewandt.

Sand­hau­sen ist Dei­ne Wahl­hei­mat. Was hat Dich hier­her ver­schla­gen?

Ich bin in der Nähe von Schwä­bisch Gmünd sowie bei Frei­burg auf­ge­wach­sen, wo ich mei­ne Freun­din ken­nen gelernt habe. Wir bei­de wähl­ten spä­ter unse­ren Wohn­ort Sand­hau­sen aus, da er zwi­schen Hei­del­berg, wo sie stu­diert, und Karls­ru­he liegt. Mitt­ler­wei­le haben wir Nach­wuchs bekom­men. Unser Sohn, er ist nun fast ein Jahr alt, ist unser Son­nen­schein. Auch ihm zulie­be habe ich den Ent­schluss gefasst, für eine bes­se­re Welt zu kämp­fen und mich im Gemein­de­rat für eine viel­fäl­ti­ge, tole­ran­te und umwelt­freund­li­che Umge­bung zu enga­gie­ren. Auch wenn durch die Sit­zun­gen die wert­vol­le Fami­li­en­zeit noch knap­per wird.

Du bist selbst viel mit dem Rad unter­wegs. Wie kommst du mit dei­ner jun­gen Fami­lie ohne Auto zurecht?

Um zur Uni nach Karls­ru­he zu kom­men fah­re ich mit dem Rad zum Bahn­hof St. Ilgen/Sandhausen, dann mit der S‑Bahn nach Karls­ru­he-Dur­lach und anschlie­ßend mit der Stra­ßen­bahn. Ins­ge­samt benö­ti­ge ich für die gesam­te Stre­cke von Haus­tür bis Hör­saal eine gan­ze Stun­de. Ich nut­ze die Zeit, um mei­nen Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten nach­zu­ge­hen und Bücher zu lesen. Im All­tag mit Kind leis­tet uns ein Kin­der­an­hän­ger wert­vol­le Diens­te.

Was willst Du für Rad­fah­ren­de in Sand­hau­sen errei­chen?

Im Bereich der süd­li­chen Haupt­stra­ße in der Nähe der Bus­hal­te­stel­len „Alter Post­weg“ fin­den sich Rad­we­ge ohne Benut­zungs­pflicht vor. Ich habe öfters erlebt, dass Rad­fah­ren­de per Hupe von der Fahr­bahn auf den Rad­weg ver­wie­sen wur­den. Vie­len ist offen­sicht­lich nicht bekannt, dass die­se die Wahl­frei­heit haben, auf den Rad­we­gen oder auf der Fahr­bahn zu fah­ren. Gefähr­lich ist außer­dem das Befah­ren von Rad­we­gen ent­ge­gen der regu­lä­ren Fahrt­rich­tung.

Ange­sichts der kom­ple­xen The­ma­tik ist eine befrie­di­gen­de Rege­lung für alle dort wie anders­wo nicht ein­fach. Aus­rei­chend brei­te Rad­we­ge mit deut­li­cher Mar­kie­rung, z.B. mit Rad­sym­bo­len sowie einer Asphalt­de­cke, und siche­re Über­we­ge an Ein­mün­dun­gen wären ein gro­ßer Sicher­heits- und Kom­fort­ge­winn gewe­sen. So müs­sen wir wei­te­re 20 Jah­re war­ten bis zur nächs­ten Bau­maß­nah­me an die­ser Stel­le.

Die Sicher­heit der beson­ders gefähr­de­ten Ver­kehrs­teil­neh­men­den ist mein gro­ßes Anlie­gen. Die Ver­bes­se­rung soll­te durch unter­schied­li­che Maß­nah­men, z.B. brei­te­re Geh­we­ge, Kon­trol­le der Falsch­par­ken­den, Bar­rie­re­frei­heit u.v.m. erreicht wer­den.

Du bist ein Fan des SV Sand­hau­sen — was ist Dei­ne Mei­nung zu den Erwei­te­rungs­plä­nen?

Als ich damals das ers­te Mal von den geplan­ten zwei Trai­nings­plät­zen für das Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum des SVS inklu­si­ve der Park­plät­ze hör­te, war mein Gedan­ke, dass es aus­sichts­los ist, dage­gen vor­zu­ge­hen. Mei­nes Erach­tens wur­de das Pro­jekt, wie vie­le vor­he­ri­ge Pla­nun­gen in Sand­hau­sen, ohne akti­ve Bür­ger­be­tei­li­gung ange­gan­gen. Auch ist kei­ne ernst­haf­te Bewer­tung der Umwelt­ver­träg­lich­keit erkenn­bar.

Des­we­gen bin ich der Bür­ger­initia­ti­ve „Pro Wald­schutz“ und ihrer Spre­che­rin Petra Weiß sehr dank­bar. Sie haben dafür gesorgt, dass die­ses Pro­jekt die nöti­ge Auf­merk­sam­keit hat und dass dar­über dis­ku­tiert wird.

Grund­sätz­lich erken­ne ich den Bedarf an wei­te­ren Trai­nings­plät­zen an. Der SVS leis­tet wie ande­re Ver­ei­ne in Sand­hau­sen her­vor­ra­gen­de Arbeit. Die in der Pla­nung ent­hal­te­nen rie­si­gen Park­platz­flä­chen sowie die groß­flä­chi­ge Rodung im Schutz­wald stel­len für mich jedoch unüber­wind­ba­re Hür­den dar. Es müs­sen Alter­na­ti­ven gefun­den wer­den, die der Umwelt­ver­träg­lich­keit einen höhe­ren Stel­len­wert bei­mes­sen.

Mein Wunsch wäre eine groß­flä­chi­ge Stand­ort­su­che mit unter­schied­li­chen Bewer­tungs­kri­te­ri­en, z.B. Ein­griff, Restrik­tio­nen, Kos­ten­auf­wand usw., gewe­sen. Anschlie­ßend wür­de das Ergeb­nis der Bevöl­ke­rung trans­pa­rent zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Nun gibt es einen run­den Tisch, es wird mit­ein­an­der gere­det und das ist gut so.

Du hast eine Hör­be­hin­de­rung. Wie kommst Du in den Gemein­de­rats­sit­zun­gen mit der Akus­tik zurecht?

Mein Dank geht an Bür­ger­meis­ter Georg Klet­ti, der auf Ver­ständ­lich­keit ach­tet, sel­ber sehr deut­lich spricht und die Sit­zun­gen gut struk­tu­riert. So fällt es mir leich­ter, die Dis­kus­sio­nen zu ver­fol­gen sowie selbst aktiv dar­an teil­zu­neh­men. Denn dar­auf bin ich ange­wie­sen, da ich gehör­los bin. Mit Hör­hil­fen habe ich das Spre­chen sowie Hören gelernt. Natür­lich fällt es mir manch­mal spät­abends schwer, die Run­de zu ver­fol­gen, wenn ich müde bin. Aber das geht bestimmt vie­len eben­falls so.

Letz­te Fra­ge: Dei­ne Visi­on für Sand­hau­sen?

Ich wün­sche mir für Sand­hau­sen und dar­über hin­aus Offen­heit, Tole­ranz und Bar­rie­re­frei­heit. Wir brau­chen Aner­ken­nung des Ehren­am­tes, die För­de­rung der Bil­dung und gemein­sa­mes Han­deln für eine nach­hal­ti­ge umwelt- und natur­be­wuss­te Zukunft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.