Beate Würzer erhebt ihre Stimme jetzt auch im Gemeinderat

Neben dem Fraktionsvorsitzenden Ralf Lauterbach und der langjährigen Gemeinderätin Ingrid Marc-Baier vertreten seit der Kommunalwahl im Mai zwei neue Gesichter die Alternative Liste Sandhausen im Gemeinderat. Wir wollen Ihnen die beiden „Neuen“ einmal persönlich vorstellen.

Den Anfang macht Beate Würzer. Die Psychologische Psychotherapeutin ist 1960 in Heidelberg geboren und in Sandhausen aufgewachsen.

Liebe Beate, viele kennen Dich als Sängerin – gerade erst warst Du auf der Sandhäuser Kerwe bei einem fulminanten Auftritt mit der Band „Soulfish“ zu erleben. Wie bist Du zur Musik gekommen und was singst du am liebsten?

Gibt nicht nur auf der Bühne alles: Beate Würzer mit Soulfish

Inspiriert von Bob Dylan und Joan Baez sowie der Gospel- und Wandermusik (ich war in der Jungschar) habe ich mich mit 15 Jahren erst mal selbst „lagerfeuermäßig“ mit der Gitarre begleitet. Meine erste Band, da war ich 18 Jahre alt, hieß Paranoid. Wir probten in St. Ilgen bei Roger Roller (drums) im zweckentfremdeten Hühnerstall.

Da andere besser Gitarre spielten, habe ich mich dann ganz auf das Singen konzentriert. Heute mag ich Blues, Jazz, Rock, Pop, Soul und Schlager (damals hättest Du mich mit Schlager jagen können…). Derzeit bin ich in mehreren Bands der Region aktiv.

Singen ist ein sehr guter Ausgleich für mich. In meinem beruflichen Tun kümmere ich mich eher um die Bedürfnisse der Anderen. Beim Singen gestalte ich. Jedes Lied ist mehr oder weniger eine sportliche Herausforderung und will „erobert“ sein.

Wenn Du „beruflich“ erwähnst, was machst Du eigentlich genau?

Also, gelernt habe ich Krankenschwerster im Josefshaus und bis ich in 1986 meinen Sohn bekam, habe ich dort auch gearbeitet. Später habe ich es dann nochmal wissen wollen, ich war nach drei Jahren zu Hause irgendwie ausgehungert nach Wissen. Da habe ich dann in Heidelberg Psychologie studiert und im Hauptstudium eine Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin gemacht. Zur Mitfinanzierung habe ich während des Studiums und danach in verschiedenen Heimen der Umgebung gearbeitet. „Viel Arbeit, wenig Zeit“, also der Personalmangel war auch damals schon Ursache vieler Folgeprobleme für MitarbeiterInnen und BewohnerInnen. Auch wenn ich gerne gepflegt habe, war ich froh, eine Teilzeitstelle als Psychologin, zunächst auf Honorarbasis im Klinikum Ludwigshafen (Hämatologie/Onkologie) annehmen zu können. Nach einigen Jahren habe ich mich dann selbständig gemacht. Die Begleitung von Menschen mit schweren Erkrankungen gehört jedoch immer noch zu meinen Angeboten. Heute führe ich außerdem Betreuungen für verschiedene Amtsgerichte der Region und habe Klienten in Privattherapeutischer Praxis. Ich bin sehr froh eine Arbeit zu haben, die mir nach wie vor Spaß macht. Das können leider nicht alle Menschen von sich behaupten. Der Bedarf ist groß, aber meine Kapazitäten sind derzeit leider erschöpft.

Du verbringst deine Freizeit gern in Deinem Obstbaumgrundstück…

Na ja, erst muss ich mal Zeit haben. Seit ich Gemeinderätin bin und noch dazu in der Bürgerinitiative Pro Waldschutz aktiv, komm ich, neben meiner Arbeit und Musik ja kaum noch dazu! Das Grundstück ist eine weitere Ressource für mich zum runterkommen, um ankommen.

Ich stamme aus einer Familie von Jägern und Gärtnern. Mein Opa und die Tante hatten jeweils eine Jagd im Kraichgau. Hier verbrachten wir die Wochenenden und Ferien im Jagdhaus. Von klein auf bin ich deshalb wohl sehr mit Wald und Feld verbunden. Damals habe ich das erlegte Wild nicht gegessen. Die Tiere taten mir leid. Ich habe so manchen Schuss verhindert, bis ich nicht mehr mit auf den Anstand durfte. Aber heute würde ich eher ein Stück Wild essen, das zumindest bis zum Tod ein relativ freies und würdiges Leben gehabt hat. Seit fünf Jahren bin ich Vegetarierin. Ich konnte einfach nicht mehr „verdrängen“ wie der Mensch seine Mitgeschöpfe schamlos ausnutzt. Sprichwort: Massentierhaltung und Tierquälerei! Es ist nicht leicht Gewohnheiten/Verhalten zu ändern, das ist mir schon von Berufs wegen klar, wäre aber in vielerlei Hinsicht notwendig. Vegan zu leben ist meines Erachtens erstrebenswert. Dafür bin ich aber nicht genügend diszipliniert.

Seit wann engagierst du dich bei der AL Sandhausen und warum?

Früher habe ich, familiär bedingt, SPD gewählt. Mit den Auswirkungen der Hartz IV Gesetze, welche ich dann unmittelbar bei meinen Klienten erleben konnte und dem Mangel an Umweltbewusstsein – Gerd Schröder der Auto-Öl und Industriekanzler – fand ich bei den Grünen eher meine Überzeugungen wiedergespiegelt. Ganz ehrlich: Ich bin in die AL eingetreten, damit‘s in Sandhausen ein paar mehr von dieser Sorte gibt, war aber bisher nie wirklich aktiv tätig.

Was hat dich dazu bewegt, für den Gemeinderat zu kandidieren?

Ganz ehrlich: Das Plakat sollte voll werden. Ich habe nicht damit gerechnet, gewählt zu werden, aber: Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben! So langsam fängt dieser zusätzliche „Betätigungsbereich“ an, mir Spaß zu machen. Plötzlich bin ich eine Stimme von 23, weil viele BürgerInnen mich gewählt haben, obwohl ich politisch bisher nicht sichtbar war, oder gerade deshalb? Die Stimme werde ich also hier nicht zum Singen verwenden. Ich habe klare Positionen, aber noch wenig Sachverstand. Diesen kann man/frau sich aber im Zuge der Themen und im Umgang mit der Verwaltung erarbeiten. Ich habe ja auch hilfreiche Kollegen und Kolleginnen in der Fraktion und Partei. Es ehrt mich auch, dass Leute mir die Aufgabe zutrauen und ich will versuchen, meinen Grundsätzen treu zu bleiben.

Was willst du für Sandhausen erreichen?

Meine Themen sind und waren immer umweltspezifisch und sozial. Vor über 40 Jahren haben wir schon (damals zu elft!) gegen die Bebauung der Trotterwiese/Galgenbuckel demonstriert. Nicht nur, weil wir Jugendlichen immer dort gehockt waren, sondern auch weil diese „Wiese“ die größte Düne in Sandhausen war. Wir waren wohl die ersten „Umweltschützer“ hier in Sandhausen.

Ich wünsche mir für Sandhausen, dass die Umwelt-, Klima- und damit auch die Energie- und Mobilitätsthematik noch viel stärker ins Bewusstsein der Handelnden einzieht als das bisher der Fall war und dass den Erkenntnissen vor Allem dann auch Taten folgen. Ich möchte, dass wir uns den Klimazielen verpflichten und Maßnahmen auf kommunaler Ebene ergreifen, welche die Erreichung möglich machen. Dazu wäre ein(e) Umweltbeauftragte(r) gut, dessen Stelle wir, also die AL gerade beantragt haben. Die Zeit ist günstig, auch für die Förderung der Bürger für Projekte innerorts und deren Finanzierung. Ich gehe davon aus, dass es demnächst neue Förderungen seitens der EU, des Bundes und Landes geben wird. Jemand sollte sich ausschließlich darum kümmern können.

Ebenso wünsche ich mir, dass alle Entscheidungen, die vom Gemeinderat zukünftig getroffen werden, sich der Maxime „Nachhaltiges Handeln“ verpflichten. Das Fördern ökologischer Wirtschaft (nicht nur Landwirtschaft) wäre sicherlich auch auf kommunaler Ebene möglich.

Apropos Wirtschaft: Früher war ich ein Fan der sozialen Marktwirtschaft. Heute beobachte ich einen eher rücksichtslosen Kapitalismus mit Almosenmentalität.  4 Prozent der „Reichen“ haben in 2018 ihr Vermögen um 12 Prozent vermehrt. Gleichzeitig belegt eine Studie, dass 11 Prozent des unteren Mittelstandes in Hartz IV abgerutscht sind. Auf kommunaler Ebene sollten wir uns hier um bezahlbaren Wohnraum bemühen und gemeindeeigene Wohnungen auf keinen Fall veräußern. Auch der Staat zahlt die horrenden Mieten nicht. Das geht dann von der Grundsicherung ab. Es sollten Projekte gefördert werden, die gemeinschaftliches bzw. genossenschaftliches Wohnen in Sandhausen ermöglichen.

In Bezug auf die weitere Entwicklung der Gemeinde wünsche ich mir mehr Bürgerbeteiligung und noch mehr Transparenz in Bezug auf die Vorgänge im Rathaus und Gemeinderat. Ich wünsche mir parteiübergreifende, themenorientierte Zusammenarbeit, wo immer möglich und weniger parteipolitisch motivierte Selbstdarstellungen.

Welche Visionen hast Du für Sandhausen?

Innerorts Dach- und Fassaden-begrünte, gut isolierte Häuser zur Verbesserung des Mikroklimas, ausgestattet mit moderner Energie- und Heiztechnik, rückgebaute Versiegelungen, bessere Bildung für Alle, denn es  geht meines Erachtens noch besser. Der Mensch mit seiner unantastbaren Würde, sollte wieder im Mittelpunkt der Entscheidungen stehen, nicht seine ethnische Zugehörigkeit, Religion, oder ob er Geld kostet. Ich wünsche mir eine tolerante Gemeinde, die „Fremde“ als Bereicherung erlebt und nicht als Bedrohung. Ich wünsche mir weniger Autoverkehr im Ort. Hierzu wäre ein kostenloser Nahverkehr von Nutzen. Gerne erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an die Ölkrise. Da durften nur Feuerwehr, Polizei, Krankenwagen und die „Öffentlichen“ fahren. Einmal im Monat sonntags Ruhe im ganzen Ort und auf den Straße, wieder persönliche Begegnungen, Federball und Rollschuh, das wäre mal eine Methode zur Einsparung von CO2, die mir so recht gefallen würde. Na ja, träumen darf man ja.

Eine Hundewiese wäre auch schön.

 

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