Bürgerinitiative Pro Waldschutz gegründet

Abholzung eines weiteren Waldstücks stößt auf Widerstand

Ein Teil des Regionalen Waldschutzgebietes Schwetzinger Hardt (rot umrandet) soll in eine ‘Sport und Freizeitfläche für den SV Sandhausen’ umgewandelt werden.

Für den Bau von 144 Parkplätzen und zwei Trainingsplätzen sollen 2,7 Hektar des Regionalen Waldschutzgebietes Schwetzinger Hardt in eine “Sport und Freizeitfläche für den SV Sandhausen“ umgewandelt werden. Die Alternative Liste Sandhausen nahm die aktuelle Offenlage sowie Proteste aus der Bürgerschaft zum Anlass, sich mit den Umweltverbänden BUND Sandhausen und Nabu Walldorf-Sandhausen und den Initiatoren der Petition „Rettet den Sandhäuser Wald!“ Michael und Petra Weiß zu beraten.

Kritisiert wurde die Informationspolitik der Gemeindeverwaltung, wonach die Lizensierungsordnung der DFL zwei zusätzliche Trainingsplätze vorschreibe. Tatsächlich gehören zu den Vorgaben für die Leistungszentren in der zweiten Bundesliga drei Trainingsplätze für den Fußballnachwuchs. Zwei Plätze sind aber westlich des BWT-Stadions bereits vorhanden.

AL-Gemeinderat Ralf Lauterbach sprach von Salamitaktik. Von Seiten der Verwaltung war von hohen Hürden die Rede. Es sollte zunächst die Möglichkeit einer Umsetzung geprüft werden, hieß es.

Das Leistungszentrum des SV Sandhausen mit zwei Trainingsplätzen. Für den Ausbau soll der Wald dahinter weg.

„Einleitungsbeschluss bedeutet, dass alle Träger das Vorhaben prüfen, in dem Sinne, dass es die Absicht der Gemeinde ist, es umzusetzen“, stellte Petra Weiß klar. Entsprechend würden die Auflagen gestaltet: Da hänge man ein paar Nistkästen auf, vertreibe die Fledermäuse und versuche für viel Steuergeld einen neuen Wald zu pflanzen wo längst keiner mehr wächst. Tatsächlich sind Versuche von Aufforstungen auf den Sand- und Kiesböden der Schwetzinger Hardt in den letzten Jahren nur sehr begrenzt erfolgreich gewesen, die Setzlinge vertrocknen sehr oft schon im ersten Jahr. „Da ist es einfacher, einen gewachsenen Wald zu schützen, als einen neuen anzupflanzen“, so eine Teilnehmerin.

Für die als Ausgleich vorgesehene Pflanzung sei keine Garantie möglich, bestätigte Erhard Jahn vom BUND. Da könne die Gemeinde auf missliche Erfahrungen zurückgreifen. Besonders der reine Kiefernwald sei in einem katastrophalen Zustand. Bei dem betroffenen Waldstück handle es sich dagegen um einen Mischwald aus 40 bis 60 Jahre alten Bäumen. „Das ist eine gesunde Mischung, die gut dasteht“, so Jahn.

„Der Nabu wurde im Vorfeld des Einleitungsbeschlusses nicht gefragt“, bemerkte Naturschutzwart und Nabu-Mitglied Peter Weiser. Als Sandhäuser Bürger sei er erst durch die Proteste auf das Thema aufmerksam geworden. Er fühle sich vor vollendete Tatsachen gestellt, ärgerte er sich und wies auf die Bestandssicherung des Regionalen Waldschutzgebiets hin. „Es geht um das Prinzip, ob wir als Bürger weiter bereit sind, Waldschutzgebiete und die wenigen Offenlandflächen für Bauprojekte zu opfern, ohne alle möglichen Alternativen zu prüfen“, so Weiser.

Die AL Sandhausen hatte die örtlichen Naturschutzverbände und die Initiatoren der Online-Petition “Rettet den Sandhäuser Wald!” eingeladen.

Der Punkt Beratung fehlt bisher, stellte eine Teilnehmerin fest und regte eine Bürgerversammlung an, um das komplexe Thema mit der Bürgerschaft angemessen zu behandeln. Während der Debatte über weitere Handlungsoptionen kam die Idee auf, eine Bürgerinitiative zu gründen. Und diese Idee wurde dann auch gleich in die Tat umgesetzt. Als Sprecherin stellte sich Petra Weiß zur Verfügung. Noch während des Treffens knackte ihre erst drei Tage zuvor gestartete Online-Petition „Rettet den Sandhäuser Wald!“ die Marke von 500 Mitzeichnern. Die Informationen über die Bürgerinitiative sind jetzt auf der Homepage www.pro-waldschutz.de gesammelt.

 

 

Noch bis zum 28. Juni können Bürger Einwendungen gegen die Änderung des Flächennutzungsplans formulieren und bei der Gemeindeverwaltung oder dem Nachbarschaftsverband einreichen. Ein Muster zur Orientierung finden Sie hier:

Sandhäuser Wald erhalten

Quellen:

Link zur Bürgerinitiative ‘Pro Waldschutz’:  www.pro-waldschutz.de

Informationen über das regionale Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt:  www.schwetzinger-hardt.de

Online-Petition “Rettet den Sandhäuser Wald!”  www.change.org/p/gemeinderat-und-gemeindeverwaltung-sandhausen-rettet-den-sandh%C3%A4user-wald

Informationen über das Vorhaben und die Änderung des Flächennutzungsplans auf der Seite des Nachbarschaftsverbandes: www.nachbarschaftsverband.de/aktuelles/aktuelles.html

Zur Lisenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit Anhang Leistungszentren:

Anlage-V-zur-LO-1

Lizenzierungsordnung-LO-2018-12-14-Stand-1

Das Protokoll zum Einleitungsbeschluss des Gemeinderates vom 23. April 2018 mit den Ausführungen der Gemeindeverwaltung findet sich im Ratsinformationssystem der Gemeinde Sandhausen unter

https://sdnet.sandhausen.de

 

 

2 thoughts on “Bürgerinitiative Pro Waldschutz gegründet

  1. Es nützt mir nichts, wenn irgendwo aufgeforstet wird und die unmittelbar an Sandhausen liegende
    Lunge abgeholzt wird. Ich bin da strickt dagegen. Der SV und die Gemeinde soll andere Möglichkeiten
    suchen für die 2 Sportplätze und die dafür erforderlichen Parkplätze

  2. Für die Ersatzaufforstung geht auch viel landwirtschaftliche Produktionsfläche verloren. Den neu gepflanzten Wald werden selbst unsere Kinder kaum noch als Wald erleben.

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