Andre Baumann informierte über die Brühlwegdüne

Die Düne Pferdstrieb Süd dient als Vorbild und Artenreservoir für die Entwicklung eines weiteren Naturschutzgebietes auf dem Dünenkamm.

Von dem geplanten Naturschutzgebiet Brühlwegdüne, einem 32 Hektar großen Gebiet in der südlichen Verlängerung des Naturschutzgebiets Pferdstrieb, hatte man lange nichts gehört. Andre Baumann stellte auf Einladung der Alternativen Liste Sandhausen die Ausgleichsmaßnahme vor. Damals noch als Landesvorsitzender des NABU und Spezialist für die Sandbiotope der Region hatte er an dieser Kompromisslösung, die den Rückbau der L 600 verhinderte, maßgeblich mitgewirkt. Die Tour startete bei der Pferdstriebdüne Süd, die Baumann als eines der wertvollsten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs bezeichnete. Hier ist zu sehen was jenseits der Umgehungsstraße erst noch entstehen soll: Magere Sandrasen mit selten gewordenen Arten wie Sand-Strohblume und Silberscharte zwischen lichten Kiefernbeständen. Er erzählt auch von der winzigen Sand-Steppenbiene, die als Dünenspezialistin von der Erhaltung ihres Lebensraumes abhängt und in Deutschland vom Aussterben bedroht ist.

„Hier gibt es nur Allerweltspflanzen“, sagt Baumann, als die Gruppe schließlich auf dem bewaldeten Dünenzug mitten im geplanten Naturschutzgebiet steht. Dass hier 15 Hektar Sandrasen und 15 Hektar lichte Kiefernwälder entstehen sollen sei vom Landtag beschlossen und in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag festgehalten worden, betonte er. Hier werde Platz geschaffen, damit sich die Sandrasen-Arten von den benachbarten Naturschutzgebieten ausbreiten können. Demnächst soll das Projekt in die Offenlage gehen. Dabei werde auch der NABU beteiligt.

Andre Baumann: Hier im Wald südlich der Umgehungsstraße soll es demnächst Licht und Platz für wertvolle Sandrasen geben.

Bisher wird ein Naturschutzgebiet ausgewiesen, wenn es um den Erhalt schutzwürdiger und schutzbedürftiger Arten geht. Hier in Sandhausen entsteht laut Baumann nun etwas ganz Neues: Das erste Entwicklungsnaturschutzgebiet Deutschlands.

Nicht von heute auf morgen, sondern in zwei Etappen und über einen längeren Zeitraum soll das Gebiet entwickelt werden. 7 bis 8 Hektar bis 2025 und weitere 7 bis 8 Hektar bis 2035 werden für Sandrasen freigestellt. Das soll dann nicht so aussehen wie auf dem umzäunten Teil Pferdstrieb-Nord, wo kaum ein Baum steht, sondern eher wie auf dem südlichen Teilstück, das auch als „Löscher-Düne“ bekannt ist. „Einzelne Bäume bleiben stehen als Sonnenschirm für die Sand-Strohblume“, so der Biologe.

Ein Jogger kommt vorbei, Anlass für Baumann zu betonen, dass die Freizeitnutzung hier weiterhin möglich sein wird.

„Dies wird der Zebrastreifen für die Sand-Steppenbiene, der von der Pferdstriebdüne Süd über Trittsteine zum Naturschutzgebiet Zugmantel-Bandholz führt“, beschreibt der Biologe den geplanten Lebensraumverbund. Die Idee für diese Lösung stamme von Armin Jendrysik, Projektleiter des Artenschutzprojektes “Sandrasen” in der Geschäftsführung des NABU-Bezirksverbands Rhein-Neckar-Odenwald, der ebenso wie Geschäftsführerin Christiane Kranz, Wolfgang Högerich, Vorsitzender des NABU-Ortsverbands Walldorf-Sandhausen sowie Naturschutzwart und NABU-Mitglied Peter Weiser an der Führung teilnimmt.

Der aus Schwetzingen stammende Andre Baumann ist ein ausgewiesener Kenner der Sandhausener Dünen. Der heutige Staatssekretär des Umweltministeriums Baden-Württemberg hat seinerzeit als NABU-Landesvorsitzender maßgeblich den „L 600-Kompromiss“ ausgehandelt. Zuvor war er Vorsitzender des NABU-Bezirksverbands, der bis heute mit einem hauptamtlichen Pflegetrupp insbesondere Sandrasen- und Binnendünenbiotope der Kurpfalz pflegt. Der promovierte Biologie engagiert sich seit knapp 25 Jahren für den Schutz von Sandrasen und Binnendünen in der Kurpfalz. Die Führung leitete er als Mitglied des Grünen-Kreisverbandes Kurpfalz-Hardt.

heb

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